Eine Zumutung …

Entschleunigung vs. Homeoffice: Spielstand 1 : 1

Heute ist Gründonnerstag, vier freie Tage vor uns (oder vor mir). Ich weiß, das klingt seltsam hier in Schweden. Und ich weiß auch gar nicht, ob der Gedanke trägt oder statthaft ist. Aber nach 6 Stunden Videokonferenz hab ich mich auf das Zuklappen des Rechners echt gefreut.

Gründe für das angestrengte Gefühl?

Möglichkeit 1: „Remote-Arbeit ist verstörend“

Ich habe heute ein paar Tweets gesehen, in denen auf die Verwirrung verwiesen wurde, die aus kognitiven Dissonanz entsteht: Unser Geist stellt auf „Wir sind in einer Gruppe und arbeiten“, wohingegen unser Körper sagt „aber es ist doch gar keiner hier“. Ich finde den Gedanken spannend, denn die schmerzhafte Wachheit oder die lethargische Distanz, mit der ich mich mal so und mal so in den Videokonferenzen erlebe, wird so ein wenig erklärbar.

Je nachdem, welche Seite grad dominiert, passiert das eine oder das andere. Aufgehoben und selbstverständlich finde ich mioch jedenfalls in den Remotecalls eher selten.

Möglichkeit 2: „Entschleunigung trifft auf Turboarbeit“

Ich werde in Schweden langsamer. Nach zwei, drei Tagen ist der Duracell-Hasen-Aufgabenspeicher leer und die Tage gehen schneller mit gleichzeitig weniger Aktivitäten rum: „Jag kopplar av“, wie die hier so schön sagen. Dieses Entkoppeln passiert – so ist mein Eindruck – unvermeidlich. Und auch wenn man nicht arbeitet. Bei mir merke ich das z. B. am Konsum von Nachrichten und Magazinbeiträgen. Es wird einfach viel, viel weniger.

Demgegenüber routinisiert und akzeleriert sich die Remote-Arbeit. Das fängt beim Arbeitsplatz an. Man weiß, wo was liegt, die Laufzeit der Akkus ist bekannt, die Nachladepausen oder der Devicewechsel wird in den Tagesablauf strukturierend eingebaut.

Arbeit und Pausen trennen sich deutlicher. Die Maschine fängt an zu schnurren. Gleichzeitig erhöht sich die Schlagzahl. Langsam und unmerklich, aber weil es den Kollegen auch so geht wie einem selbst, steigert sich die Geschwindigkeit und Taktzahl. Anstatt mit weniger Aufwand das Gleiche zu schaffen und damit zufrieden zu sein, steigert sich die Intensität und die freie Zeit schreit nach „sinnvoller Nutzung“. Wenn dann die Arbeitsaufgaben weniger werden, nimmt die Arbeit auf Distanz den freien Raum ein.

Entschleunigung kämpft gegen Effizienzsteigerung.

Möglichkeit 3: Ich bin einfach durch mit dem Thema „Arbeit“

Was meine ich damit? Und trau ich mich, das zu benennen? ich versuch mal. Einfach gesagt: ich brenne nicht mehr für meine Arbeit. Ich bin es müde.

Ich war immer ehrgeizig. Ich wollte immer gut sein. Ich habe immer eine große Befriedigung daraus gezogen. Ich denke, dass ich in vielerlei Hinsicht einen erfolgreichen Weg gegangen bin. (Achtung: und schon eier ich rum. Das wollen wir nicht. Deswegen Klartext:) „das ich erfolgreich bin“.

Nota bene: ich habe auch viele Ziele nicht erreicht. Das war aber immer ok, solange ich alles, aber auch alles, was drin war, auf dem weg dahin gegeben habe. Dieses „alles“ war oft ziemlich viel, aber wenn es dann trotz des „alles“ nicht geklappt hat, war ich damit auch „glatt“ (zufrieden will ich nicht sagen“) Zu Sch… nervte mich immer, wenn ich nicht alles versucht habe oder es hätte besser wissen und machen können. Egal, welche Gründe man ins Feld führen konnte. Es nicht versucht zu haben oder das falsche getan zu haben kann ich (auch heute im Rückblick) nicht ertragen.

Und heute merke ich: bezogen auf meine Arbeit hat sich das geändert. Nicht nur hier, aber besonders hier, merke ich geänderte Schwerpunkte. Weniger tun, weniger haben und vielleicht auch weniger sein – das zieht mich an. Auf der Arbeitsbühne (Theaterchiffre, nicht Hebebühne) zu spielen, fixed mich nicht mehr an. Es ist irgendwie genug.

Schwere Kost?

Ich weiß seit langem: ich denke beim Schreiben und schreibe beim Denken. Und das ist manchmal ein guter, sehr oft aber auch ein nicht so guter Weg. Ich will es aber heute für Euch bei genau diesem Einblick belassen. Es scheint mir zumutbar und – hoffentlich – sinnvoll.

Ich bleibe skeptisch und frage mich, ob diese Gedanken einfach nur dem depressiven Formenkreis entspringen. Aber ein wenig denke ich auch: da (an allen drei Erklärungen) ist was dran. Schau genauer hin und lerne (dich weiter kennen).

Und das wird gut sein.

Bleibt gesund.

P.S. Leichte Kost

  • Axel hat die Schalbretter rund um die Brunnenkrone abgebaut
  • ich habe die Tür zum SPA mit Brettern zugemacht und alles schwarz gestrichen
  • 1 Stein mitgebracht, 1 dicker Stein vom Gästehaus zur Trockenmauer verbracht
  • eine große Hunderunde
  • beide Insassen der Karlsborg sind sauber und durchgewärmt

Schmalhans ist Küchenmeister …

Oder: wenn der Trockenbauer mit der Trockenmauer tanzt

Ist es mangelnde Disziplin oder allgemeine Verlotterung? Oder setzt die für die Karlsborg typische Entschleunigung ein?

Auf jeden Fall: Heute wurde nichts gemacht und „das ist auch gut so!“. Oder nein, es wurde etwas gemacht, nur eben langsam und mit Maßen (nicht: in Massen – zwar nur ein Buchstabe anders, aber das dann doch mit erheblicher Wirkung).

Der Tag begann mit dem schon bekannten Wirken am deutschen BSP oder Volkseinkommen. Statt durch mich allein konnte nun auch der Axel voll zuschlagen. technisch a jour, voller Tatendrang und mit prall gefülltem Aufgabenzettel.

Ja, schon, der Arbeitsbeginn war mindestens moderat zu nennen, ich hatte meine erste Schicht hinter mir, aber wenn man wirksam ist, ist die eingesetzte Zeit sekundär. Es wurde insgesamt fleißig geofficet.

Technisch war alles pico. Das schwedische Mobilfunknetz verkraftet zwei parallel arbeitende Kollegen problemlos. Videokonferenz, wlan gestützte Telefonate, Up- und Downloads – läuft.

Mittagspause dann wie gewohnt, nachmittags eher gebremster Schaum bei mir (afk), selektive Tätigkeiten bei Axel.

Danach noch eine kurze Schicht und die Hunderunde (diesmal Axel und Bamse allein und die oben angekündigte Trockenmauer bei mir.

Exkurs 1: Rohstoffe sind aufwendig

Ich habe meine Bildschirmpause mit etwas Holz machen zugebracht. Die im Wald herumliegenden Stämme haben wir nach oben geschleppt und der sehr kleine Haufen sollte von mir in Brennholz verwandelt und sodann in der Remise auf den Stapel „Frisch 2019/20“ verbracht werden.

Ich habe das von Hand gemacht (die Motorsäge steht erstens auf dem Index und zweitens ist etwas körperliche Aktivität beim Homeoffice dringend nötig). Das bedeutet: Sägebock raus, Bügelsäge einsetzen, schneiden, aufsammeln, spalten, stapeln.

Rausgekommen sind 2,25 Karren, gedauert hat es (sicher verlängert wegen mangelnder Technik) knappe 3 Stunden.

Zum Vergleich: Wir verheizen im Haus eine Karre in 2 – 3 Tagen. Und die Sauna rechne ich gar nicht mal ein. Und wieder denke ich daran, wie viel Arbeit die Leute früher hatten und wie oft wohl abgewogen wurde, ob es besser ist die Küche anzuheizen oder die Stube zu wärmen.

Trivial, aber wir haben es wirklich gut.

Exkurs 2: Eine Trockenmauer entsteht aus Lage und Gelegenheit

Smaland ist voller Trockenmauern. Festgefügt stehen sie hunderte Meter weit rund um die Weiden und Felder, 1,2 bis 1,4 Meter tief, 1 m hoch, was ja bedeutet, dass in einem laufenden Meter ca. 1 Tonne Steine verbaut ist. Eine Tonne, die jemand gesammelt, gehoben und eingebaut hat und das hunderte Mal.

Ich habe jetzt auch einige Steine an die Grundstücksgrenze verbracht und mir ist klar geworden: die Trockenmauern sind bestimmt pragmatisch errichtet worden. Die großen Blöcke an der Basis, die eher chaotische Füllung im Inneren und die schön geschichteten Steine nach oben hin zeugen von einem geschickten Einsatz von Arbeitskraft.

Ich würde es so formulieren: Die Mauern wurden nicht an den Grenzen errichtet sondern die Grenzen entstanden da, wo die Mauern errichtet wurden.

Ich will dagegen an einer vorhandenen Grenze die Steine aufbauen. Ich bin gespannt, ob mir das gelingt. Aussehen wird es sowieso nur lala. Aber ich weiß jetzt besser, warum das so sein wird.

Bilder hol ich morgen nach. Entschleunigung eben.

Gute Nacht.

„Datorn har kommit“

Was soviel heißt wie: „der Computer ist angekommen“

Unruhe und Reizbarkeit erlebe ich bei Axel selten. Er ist, um es mal mit einer Phrase zu sagen, „viel ruhiger geworden“. Am ehesten merkt man das bei der Arbeit. Zielstrebig würde ich ihn nennen, fokussiert und – ich hab das vorne schon mal erwähnt – eigentlich nie um eine Lösung verlegen, auch wenn das Unvorhergesehene, wie vorhergesehen, eintritt.

Aber auch diese Reserven kommen an Grenzen, das konnte ich heute sehen. Und deshalb bin ich so froh, dass „datorn har kommit“.

Der Hintergrund: Der schwedische Paketbote ist anscheinend gerne mal genauso ein Napf, wie sein deutscher Kollege.

Auch hier in Sverige können wir das wohlwollend als Ausnahme beschreiben, der Arbeitsüberlastung in Zeiten von Corinna (Copyright hierfür liegt bei Ruscha) anlasten oder auch der Unübersichtlichkeit einer 12 Einheiten umfassenden Posteinwurfanlage (vulgo „Briefkästen“) zuschreiben (bei denen, dass muss man allerdings wirklich wohlwollend festhalten, bei mehr als einem Drittel der Nachname „Henrikson“ lautet).

Eine leichte Säuernis mag sich trotzdem einstellen, jedenfalls, wenn in der Sendungsverfolgung (in den letzten Tagen die von Axel meist aufgerufene Seite im gesamten Internet) drinsteht, dass der Empfänger schriftlich benachrichtigt sei und das Paket im CoopNära in Ankarsrum nunmehr zur Abholung bereit liege, wiewohl der Adressat der Sendung nämliche Mitteilung nie erhalten hat (in irgendeinem Briefkasten wird sie wohl schlummern) und ergo weder wusste, dass die nämliche Sendung auf Abholung warte, noch wo er das – noch nicht mal wirklich für ihn bestimmte – Paket abholen könne. Extrem vertrackt, das.

Und als ob das noch nicht gereicht hätte, war Axel, der gestern Abend einem gerichtsnotorisch bekannten Stalker gleich das Henriksonsche Anwesen umkreiste, dann doch noch nach Ankarsrum gefahren und im CoopNära (öppet till 21:00) vorstellig geworden. Dortselbst sah er SEIN PAKET liegen. konnte auch auf es deuten und den Anspruch namhaft machen. Aber, da er weder glaubhaft machen konnte nämlicher M.H., für den das Paket bestimmt wäre, zu sein noch überhaupt die notwendige Benachrichtigungskarte, die ja laut Internet in seinem Briefkasten hätte auffindbar sein müssen, vorlegen konnte, wurde er in aller Freundlichkeit abschlägig beschieden und war bedient – in zweierlei Hinsicht.

Kurzum: wäre der Herr Z. ein Schnellkochtopf gewesen, wäre das Sicherheitsventil kurz vor Peng gewesen. Und das mit Recht.

Er hielt sich wacker, ohne Zweifel, aber eine leichte Dämpfung des ansonsten sonnigen und ausgeglichenen Gemüts (siehe oben) war unverkennbar. Und so war die Freude groß, als heute Abend die Abholung des Pakets als vollzogen gemeldet werden konnte. Mats hat eine kleine Portion edle Tropfen ohne Nuss bekommen. Und Axel seine Möhre. Seitdem sitzt er dran – herzlichen Dank.

Und jenseits des Datorn?

Bis kurz vor halb sechs gab es auch eine Welt. Und wenn doch der eine oder andere kleine Schatten auf ihr lag, haben wir doch auch etwas gemacht. Homeoffice für die Rettung des eCommerce as usual (durch mich).

Lecker Salat zur Mittagspause, eine grundreparierte Pumpe, etwas Trockenmauer und die Vorfreude auf eine späte Badstugan-Sitzung. So war der Dienstag.

Die Bilder kommen gleich. Erstmal muss der Text reichen.

Das war unser Mittach. Lecker Salat. Der Erdkeller ist jeder Frischezone im Kühlschrank überlegen. Alles noch knackig und gut zu verarbeiten.

Rettungsdienst

Die Pumpe hat Ihre Dichtigkeit verloren. Und damit ging der Pumpenhub auf Null. Nix Wasser. Was macht man, wenn eine gekröpfte Gummidichtung sich in Brösel zerlegt?

Erstmal demontiert man,

und demontiert man.

Dann nimmt man Maß und bastelt eine runde Gummischeibe aus irgendwelchem Spielplatzmaterialrest, das man als Abstandhalter für die Zuladung verwendet hat,

Dann bohrt man die Mitte mit einem Topfbohrer aus,

Und hat – jedenfalls im groben, die erforderliche Dichtung.

Sodann montiert man

und montiert man

und montiert man

bis die Pumpe wieder tut. Ich erspare Euch die Ehrenrunden mit verkanteter Dichtung und Drahtbürsten- sowie Schmirgelpapier- und WD40-Einsatz, das trübte (trub?) nur das schöne Gesamtbild.

Rest und Fazit

Danach Steine wuppen bei mir, Kiefer mahlen bei Axel, dann Hunderunde und der erlösende Anruf. Siehe oben,

Sauna war feinst, Spiegeleier zum Abendbrot, fetter Vollmond. Im Saldo: „War jut jewesen, hat Spaß jemacht!“

Ein ganz normaler Montag …

… fängt in der Karlsborg mit Feuer anmachen an.

Jedenfalls, wenn es draußen minus 3° Celsius sind, das Rauhreif auf Gras und trockenen Pflanzen liegt und der See ein wenig dampft (der ist ja noch selber kalt). Dazu Wasser aufsetzen, für die Morgengetränke.

Und dann – es ist ja Homeoffice – wird sich passend zur virtuellen Arbeitsbeginnsirene um spätestens 7:00 an den „Schreibtisch“ im Wintergarten gesetzt. Lange U-Hose ist angeraten.

Ich kann jetzt eigentlich nicht so viel berichten. Heute war viel Remote Arbeit mit Bremen angesagt, das ist ja schon fast vollkommen normal. Tippen, mailen, schreiben, reden und – in einem gewissen Maß – auch denken.

Dann „afk“ (=away from keyboard) für Mittagessen und eine Hunderunde. Dabei haben wir uns ein paar Baumstämme am Bahndamm ausgeguckt, die wir mit dem Boot für die Karlsborg bergen wollen. Anschließend wieder Arbeit und nach 17:00h noch was sinnvolles tun: ein paar Steine für die Trockenmauer einsammeln.

Weitere Nachrichten in Kürze

    • der Ofen im Wohnzimmer taugt auch als Reiskocher
    • Axel wäscht
    • das Brunnenwasser ist schon fast klar
    • heute keine Sauna

    Breaking News

    Und – oh Schreck – die Pumpe pumpt nicht. Die werden wir wohl gleich nochmal auseinander nehmen. Es könnte also noch was zu berichten geben.

    Nix da, Normal!

    „Nee, Pumpe wird morgen angesehen – ist doch Feierabend!“, so der Chef.

    Ok, dann prökel ich noch ein wenig an den Steinen rum.

    Und hier seht Ihr die Embryonalstadien der Trockenmauer. Noch nix echtes, aber „der längste Weg beginnt mit dem ersten Brocken“, oder so.

    Daher lauschen wir der Stentorstimme aus dem OFF, leichtes Tremolo, Bariton mit Tendenz zum Bass, salbadernd: „Ja, meine Damen und Herren, hier wächst zusammen, was zusammen gehört. Beidseits des Maschendrahtes und von der linken wie von der rechten Ecke. Aber zuerst muss jenseits des Zauns das Fundament gelegt werden, nur dann kann das Werk gelingen …‘ Frisch, Gesellen …'“

    Hihi, die Rhetorik passt ohne Probleme auf zwischenstaatliche Momente der spätachtziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Alles anders, nur genauso. Mal sehen, ob ich erfolgreicher bin. Auf jeden Fall fehlt es auch hier an Material. Allerdings ist eine Treuhand nirgends in Sicht. Und ditte is schon ma jut.

    Es ist noch viel zu tun, so für drei Jahre ca.. Aber, um mit dem unvergessenen Manni Wolke in kitzligen Situationen zu sprechen: „Ruhig, Henry, jaaaanz ruuuuhig, ett läuft, ett läääuuuft …. “

    Und so will ich es auch angehen. Generell und im Trocken(-mauer)bau.

    Damit: „Schönen guten Abend, allerseits!“ (ein anderer Titan des deutschen Sports, diesmal Westfernsehen). Prost!

    Heute morgen schreiben, heute abend veröffentlichen – …

    … verrückt!

    Wir wissen ja alle, dass das im Digitalen problemlos geht: Terminüberweisungen, Erinnerungen an zukünftige Termine, zeitversetzte Tweets, Mails zu definierten Zeitpunkten verschicken und – ja – ich habe das erst gestern rausgekriegt – man kann selbstverständlich auch Blogbeiträge zeitversetzt publizieren.

    Und das mach ich hier mal.

    Komisch fühlt sich nur an, wenn man in den letzten Tagen zeitnah berichtet hat, was passierte (Präteritum – vollendete Gegenwart hieß das, glaube ich, früher) und jetzt im Vorgriff nicht erzählt, was passieren könnte oder würde (das wäre dann die Möglichkeitsform) sondern eigentlich so tun möchte, als ob das, was man morgens aufschreibt, zum abendlichen Zeitpunkt der Publikation passiert sein soll. (Was dann ja eigentlich eine Art vollendetes Konditional sein müsste.)

    Lineare Zeit ist komisch und ihren Lauf vom gestern ins morgen auf diesem Weg schriftlich auseinander fallen zu lassen ist, ich sag ja, irgendwie verrückt (oder eher die eigene Position in dieser Zeit „verrückend“). Und komischerweise ist das in Rück- und Ausblick gar kein Problem. Vergangenheit umdefinieren sind wir alle nur zu gewöhnt und das die Zukunft nur ein weißes Blatt sein kann, ist trivial.

    Aber jetzt etwas schreiben, was sich so anhören soll, als sei es nachher wirklich passiert, ist schon eine besondere Aufgabe.

    Aber Wurst. Ich lass das und bleibe, was das Schreiben angeht, im Jetzt. Und in dem zu etwas vollkommen anderen …

    5° machen den Unterschied

    Heute morgen ist der Himmel bedeckt, wenig Wind und draußen sind es 5° Celsius. Und es ist, als wenn alles nur auf diese wenigen Grad mehr gewartet hat. Überall singen Vögel (und zwar nicht nur das piepsige „Hier bin ich, wo bist Du?“ der Meisen oder das Trillern eines bauwilligen Spechts) sondern ein ausführliches Platz und Revier reklamieren oben auf der jeweiligen Singwarte durch Grasmücke, Drossel, Meise, Robin und Buchfink).

    Die Weidenkätzchen öffnen sich, Wild- und Honigbienen tauchen auf, ein wintersteifer großer Landkartenfalter orgelte schon gestern über die braune Wiese und steuerte zielsicher die kleinen Frühlingsblüher an.

    Gestern abend hörten wir die hupenden Kraniche, nicht in der Luft sondern am Boden. Ob die noch weiterziehen oder das die hiesigen Sommergäste hier sind, weiß man nicht, aber flora- und faunatechnisch geht es jedenfalls voran.

    Mats‘ Krokusse

    Während ich schreibe – ja aktuell in der Jetztzeit – hoppelt hinter uns ein braunes Eichhorn zwischen Kirschbaum und Fichte hin und her, sammelt Flechten und Fasern und ist augenscheinlich mit Bauarbeiten beschäftigt Innenausbau, denke ich). Und jetzt sind es zwei!

    Es fühlt sich anscheinend sehr frühlingshaft an.

    Wir gehen gleich einen Spaziergang machen. Mal sehen, was uns da alles unterkommt.

    Einmal um den Pudding

    Wir waren am Longsjön. Hinter Norrhult sind wir in einen Wiesen- und Waldweg bis zu einem kleinen Sommerhaus gelaufen. Sehr viele Wildschweinspuren. Dazu gleich noch was. Wir mussten einen kleinen Zufluss zum See überqueren. Aber keine Panik …

    Neben der alten gab es auch eine autotaugliche neue Brücke.

    Denn wie so oft, am Ende des Weges ein Sommerhaus. Mit Naturhafen und Seeanschluss. Recht hübsch. Wir lassen es mal beim entfernten Foto. Privatsphäre und so.

    Nach einem kleinen Stück durch den Wald (Kiefer, mager) dann den weg entlang zu Mats Fischerhütte. Da liegen seine Boote und Axel war mit ihm da auch schon mal Krebse fangen.

    Heute war übrigens Mats‘ Tag. wir haben uns tatsächlich zweimal gesehen.

    Vom Seeufer ein kurzer Blick rüber zur Hütte. Da haben wir erstmal ein Päuschen eingelegt.

    Die Ecke ist ganz hübsch, finden anscheinend auch die Gänse. Wir haben aber nicht nur Losung gefunden, zwei trötende Exemplare haben uns verbellt, Kraniche, Sterntaucher, reiher und allerlei andere Fliegeviecher gab es auch. Nur keine Adler – der Luderplatz war leer, keine Jagdabfälle für Opportunisten mit Federkleid.

    Pause! Mit Powernap. Hier noch simuliert, wg. selfie.

    ich wollte gerne ein wenig Vegetation erwischen. Es ist aber noch sehr wenig. Buschwindröschen im Wald. In blau.

    Und weiß.

    Und in blau …

    Wildkräuter zum Sammeln gibt es noch nicht. MAl sehen, was demnächst zu finden ist.

    Um 14:30 waren wir wieder an der Karlsborg und nach Snabb-Kafe und Fimmjölk haben wir einfach rumgegammelt.

    Die Sonne scheint und im Windschatten ist Kurzhosenwetter.

    Echtes Wochenende.

    Nachtrag: Beim zweiten Treffen mit Mats wurden wir vor einem großen Wildschwein gewarnt. Spuren (umgepflügte Wiesen) haben wir viele gesehen, die Sau aber nicht. Vielleicht ist das ja auch ein pädagogisches Schwein, von wegen: da geht besser nicht hin. Wir sind uns nicht sicher. Und gehen einfach trotzdem dahin, wo wir wollen.

    Schönen guten Abend, allerseits.

    Och vad gör ni i helgen?

    das sagt der Schwede immer vor dem Wochenende …

    Und hinterher heißt es dann „Vad gjorde ni i helgen?“ (Präteritum benutzen die Schweden gern und häufig). Also: Und was macht Ihr am Wochenende oder genauer gesagt „mitten drin“?

    Aktuell ist der Feierabend eingeläutet. Der Saunaofen brennt, der Badeofen heizt. Das Vorabendprogramm steht damit. Wir waren bei Mats, haben kurz „Hallo“ (oder besser „Hej“) gesagt und neben ein paar Neuigkeiten 50 l Trinkwasser eingesammelt. Ist schon komisch, aber jetzt fühlt man sich richtig „vermögend“, denn vorhin waren noch knapp 3 Liter in Flaschen im Vorrat.

    Schwerpunkte ändern sich, das haben wir hier ja schon häufiger festgestellt. Aber nun erstmal Holz nachlegen, dann kommt der Baubericht. Nee, vorher schon mal der Hinweis, dass wir morgen Sonntagsruhe einhalten wollen. Also: „Pa söndag vi kopplar av.“ – isso.

    Brunnenbau – 2. Teil

    Wir haben morgens angefangen und es war noch mehr 0 als 1° Celsius. Da musste adäquate Schutzkleidung angelegt werden. Hier Modell „Rainbow“. Man beachte den eingearbeiteten Stirmschutz und die Fontanellen-Knautschzone. Ein Klassiker!

    Ernsthafte Dinge gab es auch. Zunächst konnte Axel im Lager ein geeignetes Anschlussstück auftun. Damit war es möglich das Rückschlagventil an die Punmpe anzuschließen. Wassersäule ist das Stichwort.

    Die anschließende Montage des Pumpenkorpus auf dem frisch gestrichenen Pumpensockel (siehe gestern!) war etwas figeliensch. Wir haben mal wieder etwas zu knapp abgeschnitten. Aber, wie man sieht, am Ende passt es.

    Untenrum sieht das so aus. Der Ansaugschlauch geht ins Wasser (rechts daneben ist der Anschluss der Elektrodusche (den lassen wir drin, vielleicht brauchen wir nochmal Brauchwasser im Wirtschaftshaus). Links der neue Regenwasserzulauf, den wir noch mit der Regenwassersammelanlage (Schlauch-Tonnen-Kombination) verbinden werden.

    Und denn los. es läuft. Oder besser, es pumpt. Das Wasser wird jetzt durch 200 l Sand gezogen, bevor es oben ankommt. Das wird was bringen, hoffen wir.

    Wie man sieht, konnten wir gar nicht aufhören!

    Dann aber war Pause. Auch wenn wir nicht tarifvertraglich gebunden sind.

    Und zwar alle, auch die Tiere.Hier sehen wir den Vorfrühling. Viele Krokusse und ein Axel. Wie üblich, ist die Vegetation 2 – 3 Wochen gegenüber Bremen zurück. Hier kommen die ersten Forsythien gerade raus.

    Ich habe derweil die Bedienungsanleitung für „die Warmdusche für Warmduscher“ an die Wand gepinnt. Designed, gefertigt und laminiert von Frau S. aus B.

    Nach der Pause wurde betoniert. Sechs x 40 kg Estrichbeton und ein wenig Eisen fassen die Brunnenkrone nochmal gesondert ein, damit (und den 320 kg aus dem letzten Jahr) ist das für die nächsten Jahre erledigt.

    Für Kinder und Enkel oder andere Nachkömmlinge haben wir das Werk signiert. Jetzt muss das nur noch abbinden, dann kommt die Schalung raus und wir lassen den ganzen Kram in der Erde verschwinden.

    Nach der Arbeit

    … sind wir – wie oben geschrieben – zu Mats gefahren. ist wirklich ein Netter.

    Und danach wurde angeheizt und 17:45 war die Badstuga bereit. Da sitzen wir jetzt. Und nachher gibt es auch noch ein Foto.

    Erst wollte ich eins von uns nehmen. Aber stattdessen lieber den Hund. Sieht auch gemütlich aus.

    und jetzt?

    P.S. Noch eine schöne Überraschung zum Schluss:

    „Sehr geehrter Herr Zarsteck,

    vielen Dank für Ihre Nachricht vom 02.04.2020.

    Ihre Kindle ist tatsächlich in der Kabine gefunden worden und wird mir jetzt hier nach Travemünde geschickt! Sobald ich diese erhalten habe, melde ich mich bei Ihnen wieder wegen den „Formalitäten“.

    Freundliche Grüße / Ystävällisin terveisin / Best regards

    S xxx Bxxxx
    Finnlines Passagierdienst

    Das ist doch mal prima!

    Endlich liegen

    Wie man bei einem Projekt über das nächste nachdenken kann

    Heute ist Freitag …

    … also der Tag vor dem Wochenende. Der Tag an dem man sich überlegt, welche Art von Erholung die kommenden zwei Tage zu besonderen machen werden. Jedenfalls, wenn man im normalen Modus unterwegs ist.

    Hier in der Karlsborg ist der Freitag nichts besonderes, einfach ein normaler Tag – dazu weiter unten mehr. Aber vorher noch ein Gedanke. Etwas ist am Freitag besonders: morgen und übermorgen erwartet niemand von mir über slack, mattermost, mail, gotomeeting, zoom, whereby oder webex unmittelbar erreichbar zu sein. Niemand setzt Kalendereinträge oder fragt nach dem Stand von irgendwelchen Tasks. Homeoffice ist schon speziell. Ich merke z. B., dass die Distanz bei der Arbeit im Büro viel größer zu sein scheint als im digitalen Raum. Und ich merke, das dass auch von mir selbst ausgeht!

    Wenn ich am Schreibtisch sitze und beschäftigt scheine, geht der eine oder andere Kollege lieber nochmal vorbei. Wenn ich sage, dass ich „selbstverständlich Zeit habe“ und trotzdem weiter gegangen wird und mich das zutiefst erleichtert, scheint viel jenseits der Sprache zu passieren. Im Homeoffice gibt es das nicht. Und ich frage mich, wie wir die subtilen Signale der Körpersprache, die Kultur der Kalendereinträge oder die 3525 Bedeutungsvarianten des Wortes „Gerne!“ in die digitale Welt übertragen sollen. Ich weiß auch, dass das völlig irrelevant ist, aber da auch die Normalität digital werden wird oder das Digitale normal wird, scheint es mir hohe Zeit, dass wir da Fähigkeiten, Rituale und Codes entwickeln.

    Aber Wurst. Zurück zum Wesentlichen.

    Noch was zu gestern

    Ich habe meinen Kindle in der Fährkabine vergessen. Gestern ist mir das eingefallen und ich war nur in Maßen genervt. Passiert. Aber blöd ist es schon. Schließlich kann der Finder meine ganze Bibliothek sehen und mindestens die gesammelten Werke von Herrmann Löns sind mir schon etwas peinlich. Aber mal sehen. Vielleicht erhöht das die Abgabewahrscheinlichkeit. Finnlines weiß Bescheid und ich bin gespannt.

    And now to something completely different

    Ersten Aktion: Axel hat die handgefertigte Zierscheibe in die Schiebetür zum Schlafzimmer eingesetzt. Sehr chic. Ich hab Rechnungsvorbereitung gemacht.

    Das Hauptprojekt

    Danach sind wir in das Brunnenprojekt eingestiegen. Axel hat den Brunnenkranz auf eine Art rechten Winkel gebracht. Kein Meißel! Muss gekauft werden!

    Der Brunnenkranz wurde als Bausatz mitgebracht. Erst hinlegen, ausrichten, anzeichnen, bohren. Und nach dem Bohren kam Gewinde schneiden. Filigrane Arbeit, von Schlosserhand liebevoll durchgeführt.

    Die Metallspäne wurden mit einem Magneten aufgesammelt, damit im Sommer keine nackten Füße leiden.

    Die Zisterne ist ziemlich voll und nachdem wir im Herbst Mauseleichen und Modder aus dem Schacht gekratzt haben, ist das Wasser zwar etwas trüb, riecht aber gut und wird als Brauchwasser zu verwenden sein.Der Pumpensockel wurde aufgearbeitet, schwarz gestrichen und – das werden spätere Bilder zeigen – sieht aus wie neu. So, erste Klappe sitzt. Bauleiter ist stolz!Für Kenner: hier ein Blick auf die konstruktiven Details.Es wird ernst. Das Filterfass wird eingebracht. Der Bauleiter ist angestrengt. Bewahrt aber Fassung.Wir ersetzen pure Kraft durch Geist. Seil und Leiter halten das Fass am Platz. Allerdings erweisen sich die Kabelbinder zum Fixieren des Seils als Schwachpunkt. Spontaner Abriss der Kabelbinder und unbeabsichtigtes und unwiderrufbares Absenken des 200-Liter Fasses (ohne Bild). Der Bauhelfer ist panisch (auch ohne Bild).

    Aber alles ist (zufällig) an seinem Platz. Puh!Wir füllen mit Hilfe eines Fallrohres und einer Aschenschaufel den Filtersand weiter in das Fass, schneiden den Saugschlauch ab, räumen die Baustelle auf und verschließen die Klappe. Und es klappt (Vorsicht: Kalaueralarm).

    Baustelle aufräumen und Hunderunde. Abendstimmung am Vassgöl. Und dann noch …… die tägliche Aufgabe: meine beiden mitgebrachten Steine für die Trockenmauer.

    Jetzt sitzen wir im Haus vor dem Ofen, trinken Weizenbier und lassen es uns wohl sein. Die Sauna bleibt heute kalt. Wir sind immer noch sauber von gestern. Morgen wird die Pumpe angebaut, betoniert, ein Besuch bei Mats gemacht und – so ist der Plan – die Badstuga benutzt.

    Wenn nichts anderes unwichtiges dazwischen kommt.

    P.S. Das Nebenprojekt

    Wir haben heut unser Süppchen im Kachelofen erwärmt. Damit die Kacheln nicht leiden, habe ich ein Rost zurecht geschnitten. Und morgen putze ich das mit Autosol!

    Das ist das Schöne. Ein Problem? Eine Idee! Umsetzen! Fertig!

    .

    Virus plötzlich weit weg

    „Schöner Text, aber was ist mit mehr Bildern?“ …

    … so pädagogisch und management-versiert äußerte sich ein geneigter Leser zum gestrigen Beitrag. Nun wirkt das klassische Lob-Kritik-Lob Sandwich auch mit 57 Jahren noch, jedenfalls wenn man ein so außen gesteuerter Mensch ist wie ich. Und das ist auch ok so, traf sich doch die oben zitierte SMS mit dem schon vorher gefassten festen Entschluss heute mit wenig Text zu kommunizieren.

    Und so soll es sein.

    Die Fotos mögen etwas trübsinnig wirken, denn wir haben heute nicht nur 5 Windstärken und in Böen deutlich mehr, auch viele tiefhängende Wolken werden vom Wind immer wieder über den See getrieben.

    Windisch

    Trotzdem ist es draußen gut auszuhalten, denn die Temperatur liegt bei milden 7° Celsius. Das Wasser im See ist nicht ganz so warm. Wir werden heute im Zusammenhang mit dem Besuch im SPA die gefühlte Temperatur genau ermitteln.

    Ergänzung 21:19h: Es ist kalt, kalt, kalt.

    mit Pomade würde es sitzen

    Kleiner Nachtrag zum Thema Wind: Die Frisur des befellten Mitreisenden zeigt die Windstärken in Beaufort. Und die genervte Miene sagt etwas über die stetigen Winde. Axel ist zufrieden. Der kleine Ventilator produziert Strom wie Hulle und wurde direkt mal an die Gesamtanlage angeschlossen. Energetisch ist Herr Gustavson echt ein Sammler.

    Und nicht nur das. Nach einem ersten Homeoffice für mich bis 13:30 gab es kurz „Mittach“ und dann wurden die Spielanzüge angezogen. Es gab: Sauna und Badeofen – große Inspektion mit Beseitigung von Frostschäden.

    Meister Röhrig bei der Arbeit

    Ich habe ein Fußabstreifgitter nach Ghepetto-Art montiert und dabei erstmal gleich eine Motorsägenkette ruiniert. Edelstahlschrauben und Kettensägenketten (sagt man so?) vertragen sich gar nicht. Und wieder mal der Looser. Naja.

    Dann eben einfache Dinge:

    a) Steine für die Trockenmauer eingesammelt. Mein Plan: jeden Tag ein Stein. Und heute wurde mit der Karre vorgearbeitet.

    b) Sand aus dem Auto geladen und zum Transport zur Brunnenbaustelle bereitgestellt.

    Baustellenbild hier mit Filterfass. Details folgen im Bereich „Technik nachhaltig“. Im Hintergrujnd übrigens „Grovbetong“. Wer auch immer den Scheiß wieder rauskloppen muss. Mein Beileid.

    c) Kaputtes Rohr zur Dusche demontiert und wieder angebaut. Gewischt, gefegt und den Badeofen aufgefüllt. Quasi Sipo-Arbeit: „Wenn der Zug kommt, tuten. Kapiert?“.

    Passt aber. Isso.

    Und einen Herrn Gustavson zu haben, heißt immer auch eine Lösung für jedes technische Problem in Reichweite zu sehen. Dat is schön.

    Dann wurde sauniert. Jetzt, kurz vor halbzehn sind wir durch. Da müssen wir terminlich noch etwas disziplinierter werden. Anheizen um 17:00h, Start um 18:00h ist das mindeste. Sonst kommen wir ja zu gar nichts mehr.

    Und zum Schluss: der Virus war den ganzen Tag weit weg. Aber wenn man die Nachrichten liest oder hört, drängt sich der aktuelle Kram wieder ins Bewusstsein.

    Bleibt alle gesund!

    Corona Quarantäne in der Karlsborg

    Anreise 31.3. / 1.4.

    Heute sind wir – Herr Gustavson (aka. Axel) und Herr Petterson (aka. Ralf) – wie immer nach Travemünde zur Finnlines Fähre gefahren. Wie immer passt aber nicht, zu diesen Zeiten. Irgendwie fühlt man sich in Watte gepackt, wenig PKW Verkehr, fast nur LKW auf der Autobahn.

    Auch der Hafen ist irgendwie leer, vor uns nur zwei (!) PKW in der Schlange, der Schalter mit einem Mensch mit Mundschutz besetzt und die Geburtsdaten werden nur abgefragt, Ausweiskontrolle entfällt.

    Das Einschiffen ging total schnell. Kein Wunder, sind ja auch nur Fährprofis an Bord. Axel hat lecker Kartoffelsalat und Frikadellen im Angebot. Abendbrot gab es noch im Auto, dann in den üblichen Mittelbunker, kurze Rückmeldung nach Hause, dazu kurz an Deck.

    Dann Schrecksekunde Nr. 1: Axel hat seinen Rechner zu hause vergessen. Kurz überlegt, was zu tun ist: neuen User auf meinem Macbook anlegen, Mailaccount lässt sich einrichten, VPN muss Henrik helfen und dann bleibt nur noch Lexware als offener Punkt. Mal sehen. 2. Idee: warum eigentlich kein Tablet kaufen und in der Karlsborg lassen. Da werden wir morgen beim Elgiganten auf dem Weg zum Internet schauen.

    Jetzt noch etwas lesen. Und dann bubu.

    Malmö – Zoll – Mobile Office – Karlsborg

    Wir hatten die Wahl, alle Kabinen waren frei. Oder besser: alle Kabinentypen waren zu haben. Also mit Fenster, mit zwei echten Betten, mit drei echten Betten, mit TV, mit Balkon, mit Tennisplatz – alle. Na ja, wir haben die 3051 bekommen, also innen, Stockbett, mit Hund, winz klein, „aba jünstich“, wie der Hauptstädter sagt.

    Die gute Nachricht: ich hab geschlafen wie ein Baby. Zwar normal früh aufgewacht, aber ausgeruht, kein großes Asthma. Ein guter Morgen.

    Wir sind gemütlich zum Auto, die Ausschiffung ging fix und der schwedische Zoll glänzte durch Abwesenheit. Das war irgendwie schlüssig, denn ich würde meine Leute auch nicht jedem hergelaufenen (hergefahrenen) Virenträger aussetzen wollen. Allt ljungt och bra. Oder kurz: lagom!

    Die Hinfahrt war unspektakulär, wenn man von den von Axel vorbereiteten Tee- und Kaffeegebinden absah, die die Büroathmo komplettierten. Denn meiner einer war die ganze Zeit am Videokonferenzen, am Sabbeln und am Schreiben. Und nur mal so, für unsere Telekomiker: 440 km plus durchs echt flache und hügelige Land und dabei vielleicht ein zwei kleinere Funklöcher, die spürbar waren. Ansonsten immer genug mobile Bandbreite für Whereby, Webex und Zoom (mit und manchmal ohne Bild). Und das immer so, dass die Kommunikation möglich war. So geht das.

    Check in – all inclusive

    Ich erspare Euch die Berichte von der Arbeit. Die ist im Auto so wie im Büro. Kann man alles machen. Und sie setzte sich in der Karlsborg erstmal nahtlos fort. 13:20 waren wir da, rein in die Bude, kurz die Mauseköddel wegfegen, Strom an, Router an und mit dem Wlan hinein ins Remote-Arbeitsvergnügen.

    Ich habe die e-Commerce Welt gerettet (Achtung: hybris) und Axel hat ausgeladen. Es war sehr lustig, ihn immer mal wieder durch das Bild laufen zu sehen. Und noch viel lustiger waren die Reaktionen der anderen: verlangsamte Sprache, mäandernde Argumentationsfiguren, die sich im großen sprachlichen Delta des Ungefähren verloren. Augen, die den gedanklichen Teleprompter vergaßen und mit Axel ins rechtsseitige Off verschwanden. Nice!

    Dann haben wir eingeräumt. Futter! Baumaterial! Getränke! Eine neue Matratze! Etwass Kleidung! Und wenige Minuten später war alles wohnlich, heimelig geradezu. Ich mag diesen Ort wirklich.

    Der neue Ofen ist ein Gedicht. Die blauen Kacheln passen gut zu Bilderrahmen und meinem Pullover. Und sie halten die Wärme wirklich klasse. Die kontra-intuitive Anordnung der Schornsteinklappe läuft unter Gehirnjogging (Kann man nie genug von haben, in unserem Alter!).

    Dann sind wir noch spazieren gegangen, haben einen milden schwedischen Vorfrühling genossen und sind jetzt mit Bierchen, Sessel und Tagebuch am Tagesende angelangt. Det är bra!

    Exkurs: Die Maus

    Wie Ihr vielleicht wisst, übernehmen in der Karlsborg sofort nach der Abreise der Menschen die Mäuse das Regiment. Sie fressen alles: Essachen sowieso, für Mensch und Tier. Aber auch Seife, Kerzen, Salatkrönung, Vogelfuttertüten, Haarshampoo, Moskitospiralen, Fensterkitt, Moosgummi. Und sie suchen überall. Buchstäblich. Und sie finden alles. Auch buchstäblich.

    Wir haben niedliche kleine braune Hausmäuse, die ein weißes Vorhemd tragen und immer so aussehen, als versuchten sie sich für ihre Existenz zu entschuldigen. Das sie trotzdem alles vollkacken und auch otherwise zur Inkontinenz neigen, wird dadurch zwar nicht wettgemacht, aber doch zumindest relativiert.

    Dann haben wir die Bodybuilder. Die sehen so ähnlich aus, sind aber irgendwie hypertroph. Und zwar nicht nur körperlich sondern auch, was den Charakter betrifft. Man könnte sagen, sie sind eher aktiv aggressiv, wenn man das denn von einem immer noch zwergenhaften Fellträger behaupten möchte. Auf jeden Fall kacken sie die vierfach Ködelgröße der erstgenannten Vertreter.

    Bisher hatten sie jedesmal (gemeint sind hier beide Ausprägungen) irgendwas gefunden, was in großen Gelagen zerkaut und gefressen wurde. Da die gemeine Hausmaus sich gerne Gäste einlädt, führte das gerne zu größeren Mengen kardamomähnlicher Krümel (die aber kein Kardamom waren).

    Diesmal aber haben wir gewonnen!

    Die geradezu akribische Eindosung, Einglasung, Einkofferung von allem, was sich zernagen würde lassen, hat sich bewährt. Bis auf wenige Kundschafterkrümel war nichts zu finden. Ein kurzer Besenschwung, ein wenig Staubsauger und das wars. Die Bande musste auf die Werkstatt ausweichen (siehe Foto) eine Moosgummirolle mümmeln und sich ansonsten mit purem Vandalismus begnügen (also z. B. Axels Arbeitshandschuhe an jeder Fingerspitze (inkl. Daumen) aufzubeißen.

    We’ve got it!

    Karlsborg Files reloaded

    Hier entsteht der neue Karlsborg-Blog. Wahrscheinlich bietet er die gleichen Möglichkeiten wie Google+, hoffentlich sogar noch etwas mehr.Der heutige Tag begann mit einem ausgiebigen Frühstück, danach ging es an die Arbeit. Petterson kümmerte sich um den Auftrieb der Badeplattform, Henrikson bastelte etwas an Werkstatts-Elektronik, Prillan (Ruscha) mähte den Rasen und Sabine kundschafftete die Pilzsituatiuon aus. Abschließen werden wir den Tag mit einem Saunagang mit anschließendem Grillfest. 🙂Viele Grüße aus der Karlsborg,Henrik