Die eigene Geschwindigkeit finden ist hier nötig. Und alle schönen Sachen wurden bereits gemacht …
… so könnte man meinen, denn nach 1 1/2 Tagen in der Karlsborg kann bereits hinter almost alle Aktivitäten ein geziemender Haken gemacht werden. Aber berichten wir der Reihe nach.
Ankomst! Dienstag
Unsere Anreise verlief entspannt. Wilma bewegte sich altersangemessen zunächst nach Travemünde (am 13.7.), enterte zusammen mit Beifahrerin und Proviantmeisterin Dagmi sowie Fahrer Ralf das Fährschiff (gefühlt als zwei von 30 Passagieren und eins von 10 Pkw, einschl. WoMos) und erreichte die schöne Stadt Mamlö (Copyright bei Ruscha) plangemäß morgens um 7:00.
Daselbst wurden wir kontrolliert. ALLE! Und Jede*r! Freundlich im Ton, aber hart in der Sache. Wohin? Warum? Wie lange? Wo noch mal genau hin? Wie lange noch mal genau? Und ist das jetzt Euer Haus? Oder ist das gemietet? Und wo war das noch mal? – Als versierten Krimisehern fiel (Präteritum!) die Methode natürlich sofort auf. Lügen wiederholen und den Überblick behalten ist schwierig, hier bringen Nachfragen schnell die nackte Wahrheit (und den etwaigen Versuch, diese zu verbergen) an den Tag.
Klassische Taktik: selektiver Umgang mit den Fakten. Alles, was man sagt muss stimmen, aber man muss ja nicht alles mitteilen.
Dialogbeispiel: „Und, habt Ihr Alkohol und Tabak dabei?“ Antwort: „Tabak haben wir nicht mit …“ (stimmt!) „… aber ein paar Bier … “ (stimmt auch!) (den anderen Kram muss man ja nicht offensiv erwähnen).
Das Ergebnis des ersten Kontakts mit der schwedischen Staatsmacht war befriedigend: Freundliches Winken, schöne Fahrt und ab.
Danach ging es – unterbrochen von einer kleinen Fikapaus mit sehr zutraulichen Dohlen – geschmeidig Richtung Karlsborg. Einkauf in Älmhult eingeschlossen. Nicht unterschlagen werden soll die zweit Begegnung mit offiziellen Stellen. Wir eierten durch die Landschaft als uns ein Polizeiwagen erst entgegenkam und dann im Rückspiegel auftauchte.
Mittels einmal Weihnachtsbaum wurde der Kontaktwunsch verdeutlicht und hergestellt. Nach einer Kontrolle der Fahrzeugpapiere und der inquisitorischen Wiederholung bereits gestellter Fragen: Wohin? Warum? Wie lange? Wo noch mal genau hin? Wie lange noch mal genau? Und ist das jetzt Euer Haus? Oder ist das gemietet? Und wo war das noch mal? fiel der schönste Satz des Tages, der gleichzeitig und mottogebende Satz für meinen Aufenthalt sein soll: „Mind your speed“.
Gemeint war natürlich die des Autos, aber ich denke mir, da ist noch mehr rauszuholen. Am Rande: der Hinweis war aber auch als solcher völlig richtig!
Gegen 14:00 erreichten wir die Karlsborg, In Norrhult kam uns ein winkender Axel auf dem Moped entgegen, befasst mit Postangelegenheiten – wenig erfolgreich und Gebäckdingen – sehr erfolgreich und ganz offensichtlich bester Dinge.
Anschließend folgten Kaffee, Kuchen, Übergabe eines PICOBELLO geputzten Anwesens, Reste packen, Verabschieden. Allgemeine Begehung des Geländes, ein erstes Seebad und ein schöner Abend mit Kartoffelsalat, Kotelett und Terassenofen beschlossen den Tag und sorgten für Haken 1, 2 und 3 auf der Attraktionenliste.
Abhaken Teil 2. Mittwoch
Schlafen. Ruhe. Richtige Ruhe. Also Stille. Kein Krach! Schweigen. Im Wald und auch sonst. Richtig Pennen! Wachwerden, wenn man ausgeschlafen hat und nicht wenn das Klickern im Kopf einen raushaut. Schön. = Haken 4.
MoMo (=morgen Mobilisierung). Bewegung. Gemessen und mit Schwung. Vor dem Frühstück. Schwimmen im See, dehnen und drehen. Treiben und Schauen. = Haken 5.
Kochkaffee trinken, labern, sitzen. Den Tropfen eines Landregens zusehen. Buch lesen. Rausgucken. Zuhören. Zusehen. Wie nichts passiert (und alles). = Haken 6
Spaziergang: Walderdbeeren, Blaubeeren, Himbeeren, wilde Kirschen schmausen. Pilze finden (nicht: suchen!). Durch das Moos stiefeln. Bremsen klatschen. Häuser anschauen. Alte Felder und Wiesen ansehen. Horchen auf die Echos aus längst vergangenen Zeiten. = Haken 7 – 11.
Zurückkommen, Pilze putzen, aus 650 g Heidelbeeren Marmelade kochen, wieder schwimmen, Kaffee trinken, Knäckebrot mit Butter und Käse essen.
Dann irgendwann Sauna anheizen. Schwitzen, während draußen ein Gewitter grummelt und dicke Tropfen Xylophon auf dem Wasser und Marimba auf dem Blechdach spielen, in der Pause Hefe trinken.
Danach Salat schnibbeln, Abendbrot essen, Filmjölk mit der Blaubeermarmelade naschen, lesen und beim Schreiben merken, wie es langsam dunkel wird. = Haken 12 – 20.
Und was kommt jetzt …?
Sagen wir mal so: war schön gewesen, gerne wieder. Machen wir nochmal.
Und sonst: jetzt geht es erst richtig los. Smalsporet, Gamleby, Västervik, Fahrrad, mehr Pilze, mehr Obst und alles, was sonst noch Spaß macht, hier in Pipi Langstrumpfs Schweden (oder besser in Astrid Lindgrens Land).