Dreck, Arbeit, Schlangen, Schnecken

Prolog

Es ist Karfreitag. Das interessiert die Schweden nur so mittel, im Gegensatz zum Musikverbot in Tyskland, das auch jenseits von Corona z. B. im Land der Niedersachsen zur rechten vorösterlichen Depression beitragen soll.

Aber sei es drum, Herr Gustavsson und Herr Pettersson haben sich heute eine Arbeitsdiät verordnet. Es ist Feiertag und der soll auch so begangen werden. Zwar wird noch gebacken und geräumt (der kleine Kühlschrank wird abgebaut und in der Küche unter der Arbeitsplatte zwischengelagert).

Aber als Hauptaktivität ist eine Ausreise mit dem Auto ins schöne Dynestad geplant (ist ja auch sonst hundeinduziert beinah alles erlatscht, in der Umgebung). Dynestads Hauptattraktion ist wohl ein im Wald rumliegender Riesenstein (wird sind gespannt). Mindestens ebenso wichtig sindZwischenhalte in Totebo und Hjorted, wo wir die Einzelhandelseinrichtungen erkunden wollen, scheinen diese doch die einzige Alternative zu den anstrengenden Großstadtbesuchen in V und V (Västervik und Vimmerby). Dazu gibt es dann ein Serviceseitenupdate.

Die Schlagworte …

… in der Überschrift beziehen sich aber vordringlich auf die seit dem letzten Bericht vergangenen Tage, wenn man von den erwähnten Mollusken absieht, die sind heute wichtig, aber dazu später.

So richtig toll klingt ja nichts davon und es wird spannend sein zu fragen, ob sich beispielsweise die leichte Gänsehaut, die sich für Säugetiere mit dem Begriff Schlangen immer zu verbinden scheint, bestätigt, ob der Dreck eben das ist und die Arbeit die Erfüllung bringt, die ihr in der modernen Gesellschaft gemeinhin zugeschrieben wird.

Schauen wir nachher auf den Epilog.

Dreck

Ich habe angefangen, den Dachboden über dem Haupthaus zu säubern. Folien, Mäuseködel, ein paar zerrupfte Gardinen und ein Stoffschuh. Das habe ich neben 5 Karren (=20 Eimer) Staub und Sägemehl durch die kleine Luke rausgeschleppt. Ich glaube, noch nie war eine FFP2 Maske so angesagt.

Nach dem Säubern kam aber eine gute Substanz zum Vorschein. Alte, aber stabile Bretter, Platz zum isolieren und anschließendem Verbrettern. Die Idee, neu zu dämmen und vielleicht ein paar Ausweich-Schlafgelegenheiten einzubauen kann weiter verfolgt werden (Detailplanung sozusagen).

Ich muss aber für den Rest der Grobentsorgung nochmal rauf (vielleicht am Sonntag), denn danach ist a) auf jeden Fall die Trias Duschen-Bastun-Duschen angesagt und b) die Vakuumierung der benutzen Arbeitsklamotten nötig (die auf dem Foto hab ich gewaschen). Das könnte auch passen, denn am Montag nachmittag (Spoileralarm) geht es schon wieder Richtung Heimat.

Axel hat auch ein bisschen Dreck gemacht und den Platz für den Jockel freigearbeitet. Montieren konnten wir das noch nicht, weil wir doch in den Fels müssen und dazu ist anderes Besteck erforderlich als wir hier haben.

Arbeit

Soll ja Erfüllung bringen und den Menschen ausmachen. Naja. keine Ahnung. Mein Urlaub in den letzten Tagen und nach Ostern ist jedenfalls wegen is nich ausgefallen.(Mäßiger Beifall).

Homeoffice in nicht erwartetem Umfang, ver-videokonferenzte Bandbreite, geshootete troubles. Saubere Arbeit zwar, aber doch nur im körperlichen Sinne. Und nicht das, was geplant war. Es bleibt hier trotzdem schöner als zuhause, denn wenn die Kühe erstmal vom Eis getrieben sind, kann man sofort wieder abschalten. Aber ich stelle fest: Nächsten Urlaub wird der neuland Mail-Account abgeklemmt, Mattermost und all das andere Stalking-Geraffel ausgeschaltet und dann bin ich weg. (Mal sehen, ob das passiert). Und nur, um nicht missverstanden zu werden: das wühlen im Staub von Hundert Jahren ist auch nicht viel schöner. Nur anders. Bastun am Abend braucht beides. Gut zu wissen.

Schlangen

Die Västerviks-Tidningen hat zu Ostern gemischtes Wetter angekündigt. Es gab auch mal Regen, nachts und es ist auch recht frisch. aber: es ist unbestreitbar Frühling geworden. Das ist schön, von drinnen und draußen.

Der Rhabarber knäuelt sich aus der Erde und schüttelt den einen oder anderen Nachtfrost grinsend ab. Die Johannisbeeren schlagen aus und unsere unermüdliche Stachelbeere setzt alle anderen durch vegetatives Vorspreschen unter Druck. Die Krokantenplantagen haben sich über dass ganze Grundstück ausgebreitet und werden von Hummel, Biene und Falter gerne angenommen. Und es scheint auch nach Tagen immer noch Nektar zu geben.

Neben den ersten grünen Fitzelchen an Kraut und Busch sind vor allem die Tiere aktiv. Hausbesichtigungen bei Meisens und Buchfinkens, Großkämpfe zwischen übermotivierten Amsel- und Drosselhähnen. Taumelflüge von Raben und allerlei Geturtel im blauen Schwedenhimmel.

Gestern gab es dann ein großes Ringelnatterstelldichein auf den gewärmten Steinen am Haus. Eine große und mindestens 5 kleine Nattern feierten das Ende des Winterschlafs mit – so wird jedenfalls von unserem Gesellschaftsreporter Herrn Gustavsson kolportiert – intensiven Kontakt emotionaler und körperlicher Art. „Geschlangelt“ wurde, wie man sich ausdrückte.

Schnecken

Die sind heute dran. Nämlich aus Teig und mit Kardamumme och Kaneel. Mindestens einmal (und noch vor dem Ausflug) muss gebacken werden. Und jetzt ist mir doch tatsächlich die erste Rutsche verbrannt, wegen zu langer und zu heißer Backzeit. UNFASSBAR.

Rutsche 2 und 3 dagegen gut bis perfekt. Teigrezept mit Ei und Milch statt nur Milch ist akzeptabel. Luftig und locker, etwas empfindlicher gegen Oberhitze, anscheinend.

Epilog

Was lernt uns das alles:

  • Schnecken sind nicht nur schleimig und ekelhaft.
  • Schlangen haben auch Gefühle, sind elegant und hübsch.
  • Arbeit adelt nicht immer
  • und Dreck kann was gutes sein.

In diesem Sinne: Allseits gute Besserung.

PS: Ich werd es Euch zeigen!

Seht Ihr, Langohren, so wir das gemacht. Ich werde stachellose Brombeeren ernten. Irgendwann. Und wenn ich S-Draht verbauen muss. Ha.

Kleine Knospen am verbissenen Gehölz und aus dem Boden kommend. Yip!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert