„ich war siebzehn uuund sie einunddreisisch“, so knödelte er unnachahmlich, Deutschlands seinerzeit populärster Spätvertriebener oder Frühaussiedler (je nach Perspektive), der Siebenbürger Sachse Peter Maffay, bevor er über „Siehieben Brücken“ ging (geklaut von Karat) und dann putzige, pädagogisch wertvolle Kinderbelehrstücke mit dicken Drachen auf die Bühne brachte. Jener, mit einer Schönheitswarze auf der Oberlippe beglückte Jeansjackenträger („Mooole, Mole, Mole“ – siehe Austin Powers), der in Dagmis Mitbewohner Hannnns-Jörg in Göttingen einen ähnlich kleinwüchsigen, landsmannschaftlich aus gleichem Gebiet stammenden und nämlich virilen Wiedergänger fand, der gerne zu jeder Tages- und Nachtzeit … – aber das ist eine andere Geschichte.
Nun ja, auch wenn hier keine Coming of age Geschichten stattfanden, sondern das gepflegte Wechseljahrsgeplänkel älterer Herr- und Frauschaften dominierte, muss der obige Liedtitel zitiert werden, denn es war nun mal so. Und es ist es jetzt nicht mehr: Fertig, Ende, Finito, Klappe, Schluss, Aus-die-Maus, die eben davon keinen Faden abbeißt. Es hat sich mit Sommaren, nun ist Hösten und zwar richtig.
Und was macht man so „i Hösten“?
Also erstmal schaut man sich verdutzt um, denn eben war es doch noch prickelheiß und dauernd hell und bestenfalls Spätsommer. Und dann sieht man …

… gelb gefärbte Birken, die sich sofort schamhaft des unanständig auffälligen Blattwerks entledigen, tief hängende Wolken, mittel-kalt oder ziemlich kalt, mit klarem Himmel. Herbstpilze, die auch noch so heißen, ratzeputz raiserte Sträucher, abgepflückte Äpfel. Und stellt fest: es geht auf den Rest, aber hallo.

Immerhin gibt es lecker Herbstpfifferllinge und Herbsttrompeten und nach der unglaublichen Steipilzschwemme im September (das ist eine eigene Seite wert), kommt auch der eine oder andere frische Karl-Johann ums Eck (siehe Bild).
Ansonsten hat es Hallimasch, viel kleines Giftgezuppel (Grün- und Graublätterige Schwefelköpfe, spitz-gebuckelte Rauhköpfe), krause Glucken in Truthahngröße, Restpfifferlinge und allerlei Semmelstoppel. Die schwedische Marone ist ein Kümmerling, von Goldröhrlingen hat man hier nioch nicht gehört und Butterpilz und Kuhmaul stellen sich so in den Weg, das man allein deshalb indigniert darüber hinweg sieht.
Man verlegt, neben der Gartenarbeit, etwaiges Handwerken nach innen, pimpt die Bastun mit Bierflaschenfähigen Shampoo-, Seifen- und Kulturtaschenfächern (komplett individuell gefertigt!), hängt Bürste und Sisalreibe griffbereit und freut sich an Spaziergängen, Saunieren und Indoor-Gemütlichkeit mit Outdooraktivitäten. Kleinholz wird gehackt und gebraucht, Unkraut aus dem Kies gepolckt, Türen werden außen blau und innen weiß gestrichen und ansonsten wird die Seele gebaumelt.
Der Schwede hat dafür ein eigenes Wort „Fredagsmys“ (Freitagskuscheln), eine heilige Zeit vor dem Wochenende, in der Haushose, Bierdose, Gummibärchen und Chips eine wichtige Rolle spielen. Alleine oder mit dem, der Liebsten – auf jeden Fall „precis lagom“ (= genau richtig), was ebenfalls ein schwedenbeschreibendes Wort der Extraklasse ist.
Und sonst? Weil es früh dunkel wird, ändert sich das Badeverhalten. Aus dem disziplinierten täglichen Horizontalschwimmen ist das fakultative Vertikal-Baden geworden. Vorzugsweise kombiniert mit Sauna. Einmal rein, einseifen, nochmal rein und das ist dann auch genug. nd meist ist es dann auch noch duster: heute hab ich (wg. absoluter Windstille) in einem Vassgöl voller Sterne getauchbadet – spooky.
Von den fiesen Hirschlausfliegen schweigt des Sängers Höflichkeit. Deren geballtes Auftreten war glücklicherweise nur eine Episode, die aber höchst nervig, wenn auch nur in Forst und Busch. Bleibt man eben weg.
In Norrhult bin ich übrigens aktuell Dorfgespräch. Der bekloppte Deutsche, der OHNE AUTO im Sommerhaus rumhängt. Im Herbst. Und dann mit dem Fahrrad zum Einkaufen fährt oder gar mit dem Bus nach VÄSTERVIK.
Für ein Völkchen, dem der fahrbare Untersatz mindestens so am Hintern festgewachsen ist, wie dem durchschnittlichen deutschen ADAC-Mitglied, ist das Grund für Stirnrunzeln, ungläubiges Kopfwiegen und scheeles Schauen nach der Telefonnummer der sozial-psychiatrischen Ambulanz (wenn es hier sowas gibt und das nicht in Personalunion vom lokalen Sytembolagetchef, der gleichzeitig Blaukreuzler und Sozialarbeiter ist, gleich mitgemacht wird). Aber lustig finden sie es doch und gegrüßt werd ich inzwischen breitwürfig.
Schon mal mit Reflektieren anfangen
Noch’n Punkt. Vermutlich fragen sich die geneigten Leser:innen, warum so lange Funkstille war. Hm, weiß auch nicht so genau. „Es gab nichts wirklich wichtiges zu schreiben“, könnte ich sagen. Aber das gilt ja eigentlich die ganze Zeit. „Mir war nicht so“, das trifft es schon eher.
Ich hab viel Homeoffice gemacht, das war schon ok, aber auch anstrengend. Und dann mochte ich nicht mehr über Schweden schreiben, war ich doch virtuell die ganze Zeit in Bremen und W’dorf und Köln – und wollte doch eigentlich wenig bis gar nichts arbeiten. Immerhin bleiben die Pausen, der Feierabend und das Wochenende im Retreat. Ich werd erst merken, wie schön das war, wenn es vorbei ist.
Aber, und das ist dann meine nächste Aufgabe, arbeitsmäßig muss man wohl doch ein konsequenteres Vorgehen entwickeln. Und wenn das so gut klappt, wie das Home-Office-Plautze bekämpfen sag ich jetzt schon mal …
… herzlichen Glückwunsch und „Schönen guten Abend, allerseits“.
Ihr Ralf „Heribert“ Z.