Verschwundene Einzelhändler und der Tag der kleinen Teile …

So lauten die Mottos des gestrigen Mon- und heutigen Dienstags. Fangen wir am Anfang an.

Drama oder „Ein Einzelhändler verschwindet …“

Gestern waren wir in der Stadt. Schon ab dem zweiten Tag in der Karlsborg sind solche Dinge ein echter Angang. Sachen anziehen. Zettel schreiben, noch mehr Sachen anziehen, andere Sachen anziehen. Löppiskiste ordentlich packen (man will ja schließlich einen guten Eindruck machen), Müll und Wertstoffe für die Återviningscentralen vorbereiten. Auch da will man sich nicht beim falschen Container erwischen lassen (es gibt wenig peinlicherliches als einen Fehlwurf in den Schrottcontainer aus 3 m Höhe, nebst runterkrabbeln und Falschgut wieder herauspulen – und das vor den Augen der in neongelb gewandeten Recyklingfachkraft – gerne blond und groß, Typ Volleyballerin linke Angriffsseite). Dann los und die übliche Runde.

Wichtigster Punkt auf unserer kurzen Liste der Besorgungen in der Ostseemetropole: Internet – Telenor Surf 30 Gigabyte. Immer dasselbe, immer bewährt. Auf dem Hinweg konnte uns der ICA in Vimmerby allerdings nicht helfen. Es gab „Probleme mit der Software“ – aaha, soooso! Egal, der ICA in Västervik ist eh größer, da gibt es einen Postschalter und überhaupt. Das läuft. Aber als wir da waren, nach Nummern ziehen und brav anstehen: nix, ingenting, nada. Keine Gigabytes für Axel und Ralf.

Jetzt wird man etwas unruhig. Aber da hilft nur der Elgiganten. Da hat das immer geklappt. Kurze Abstimmung: am neu auf gemachten Rusta vorbei (die haben Farben und so’n Keks), raus über’n Kreisel, Hauptstraße, am Wassertum rechts, rein in den Kolonievägen. Parkplatz, raus, in die Halle und – Tusch! … Statt am Kundentresen des Elektrohändlers stehe ich in einem riesigen Fitnesscenter, zwei neuschwedische Grazien unterbrechen ihre Unterhaltung und starren mich an. Ich starre zurück. Kein Elgiganten mehr. Eisenpumpen stattdessen. Die Unruhe mutiert zur nackten Panik. Das kann nur ein Irrtum sein. Wieder raus. Axel die Situation hinstammeln, Ein Blick auf die Ladenfront beweist, Firmenname und Leuchtreklame sind Vergangenheit.

Es wird eng. Ohne Internet ist das mobile Arbeiten in der Karlsborg auf schriftliche Kommunikation beschränkt. Schon das telefonieren geht nur lala, wenn man keine Wlan Unterstützung hat. Suchen wir also. Auf der Webseite wird eine Filiale in Västervik angezeigt. Mitten auf dem Parkplatz von ICA. Hm, da waren wir doch gerade und gab es ein Elgiganten dort? Im Brustton der Überzeugung: Nein. Nie. Auf dem Parkplatz. Ha! Schwachsinn.

wie Sie sehen. Ein Elektrofachmarkt in einem Nullraum

Ich mach es kurz. Elgiganten ist jetzt bei Jula ums Eck. Direkt neben dem neuen Rusta /der Farbenfritze). Ham wa nich jesehn, obwohl wir davor standen, vorher. Selektiver Blick, eben.

Und weil das so neu ist, stimmen die Koordinaten noch auf der Seite nicht. Bei Elgiganten.se wird man übrigens immer noch zum. Kolonievägen geschickt, wo man dann im Gym landet. Aber das hatten wir schon.

Ansonsten kann man noch berichten, dass man jetzt beim Kauf von Datenvolumen die Telefonnummer des Routers und einen Namen (Zarsteck) angeben muss. Es scheint Veränderungen bei Prepaid in Sverige gegeben zu haben. Und deswegen gibt es auch Softwareprobleme (s. o.). Denkt dran, wenn Ihr einkauft.

Auf jeden Fall voll der Stress, so ein Stadtausflug. Da war es heute netter, am …

… Tag der kleinen Teile (eine Komödie)

Axel war den ganzen Tag im Wintergarten zugange. Wie immer nehmen Restarbeiten mehr Zeit ein als man sich vorstellte. Hier ein Leistchen gehobelt und eingepasst, da ein Dreieckchen eingesetzt, dort noch etwas Bauschaum aufgebracht. Kratz, kratz, klopf, klopf und plötzlich waren 6 Stunden rum.

Bei Theateraufführungen im Londoner Globe – so hab ich mal gelesen – wechselnden große Königsdramen mit kleinen Possen ab. Und das war nach der gestrigen Fast-Tragödie heute auch so. Es ging in dem kleinen Format um die uralte Geschichte Mensch gegen Materie (Also Axel gegen fitzelige Holzteilchen) verfeinert mit: „nie liegt eine Sache da, wo man sie braucht“ (meint: Wintergarten – Werkstatt und retour unendlich viele Male). Da war ich mit meinem Maintenance-Projekt „abgängige Regntonnen auf der Hausrückseite ersetzen und untereinander sowie mit dem Überlauf Richtung Brunnen koppeln allemal auf der sicheren Seite. Überschaubarer Materialaufwand, alles in einen Eimer und gemütliches Gebastel auf der sonnenbeschienenen Seite bis zum planmäßigen Abschluss.

Morgen geht es dann wintergartentechnisch auf die Zielgerade. Es müssen die ausgeschäumten Fugen mit Klebeband versiegelt und dann verleistet werden. Dazu gibt es dann aber auch bestimmt auch Bilder. Und wenn die Regenrinnen wieder angebaut und die Tonnen erneuert sind, können wir den ersten großen Zettel von der Wandnehmen.

Vorher war nachmittags Vorfrühling. Es hatte eine Wandergruppe vor der Tür, zwei Zitronenfalter, einen kleinen Fuchs (auch ein Falter), singende Vögel, schmelzendes Eis und die ersten Präsentationen weißer Männerbeine in der Kaffeepause (14 Grad vorhergesagt, 20 Grad bei der Fikapaus. Faktisk precis lagom (wie der Schwede sagt).

Noch sind die jungen Pflanzen zwar klein (man beachte die Krokusse) und die Eisblöcke z. B. im Wassertank groß (soviel Gin und Tonic gibt es gar nicht). Aber es wird. Frau Sonne lässt sich nicht entmutigen und der graubärtige Herr Winter wird auf die späten und frühen Tagesstunden sowie die Nacht verwiesen. Der Tag gehört dem Leben.

Und wenn die Astfresser kommen, stehen sie vor dem eingegitterten Bäumchen. Isländisch sozusagen. Dort nämlich sperren die Zäune die Schafe aus, um Baum und Gras zu schützen und nicht ein, wie bei uns.

Abends waren wir dann in bastun und göl. Waschen muss. Auch, wenn es echt kalt ist, im Wasser. Und wie das in der Karlsborg so ist, am Ende erledigt sich das Zetern von allein. Lecker Essen und Getränk, bullernder Ofen und ein Platz im Sessel… Obwohl, wenn ich das Langohr erwische, dann …

erstmal allseits gute Besserung wünscht die Besatzung des Luftkurortes.

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