Karl-Johann und Mr. C
Die Samen haben 9 Jahreszeiten und auch das Landvolk und die Imker bei uns daheim haben mit mehr als vier Jahreszeiten hantiert, um den Jahreskreis zu beschreiben, zu wissen, was getan werden muss, zu wissen, was man ernten kann und zu wissen, wann man die Hände in den Schoß legt (auch wenn das hieß zu spinnen und zu basteln und Dinge Instand zu setzen).
Ich will jetzt nicht darüber schreiben, wie die neuen Jahreszeiten auf der erwärmten Erde aussehen werden, denn immer noch hoffe ich, dass wir – motiviert durch den Druck und die Energie unserer Kinder – diese zentrale Aufgabe unserer Generation doch meistern können. Und ja, Zeit wird es und knapp ist sie auch.
Nein, heute will darüber schreiben, wie es ist, wenn man viel draußen ist (und am Ende ist in der Karlsborg sein „Draußen sein“). Und wie man dann ganz selbstverständlich anfängt eigene kleine Jahreszeiten zu bilden, die Luft zu schnuppern, an Moos und Blatt den vielen oder geringen Niederschlag zu merken und daraufhin seinen Tagesablauf hin auszurichtet – egal, ob es um das Altmännerschwimmen (die Serie hält), das wühlen im Staudenbeet, das Beschneiden von Strauch und Baum oder eben die Ausflüge in den Wald angeht.
Heute hab ich Steinpillze gefunden (die hier Karl-Johann heißen). Top-Qualität und nunmehr kann ich auch verbürgt sagen, dass so ein Lümmel bei dem richtigen Wetter binnen zweier Tage wächst (Maximum), denn an der bisher verlässlichsten Stelle fand (Präter …) ich heute sechs 1a Exemplare, die vor zwei Tagen MIT Sicherheit noch nicht da waren. Ein Kuhmaul und einen M ini-Marone hab ich auch mitgenommen. Pfifferlinge war nüscht. Angesichts der Menge Steinpilze aber mehr als zu verschmerzen.

Aber weiter mit der Prosa: Aktuell zeigen sich August und September als Powercouple. August hat rote Wangen, kommt etwas kurzatmig daher, aber mit vollen Armen und ein breites Sonnengrinsen auf dem inzwischen etwas derben Gesicht. September dekoriert mit Frucht und Beere, lockt Pilze aus dem Boden, scheucht brunftige Hirsche zurück in den Busch und zusammen malen sie den Himmel blau und weiß und grau und schwarz. Und manchmal hell und hoch und dann wieder niedrig und nass – eben Spätsommer und Frühherbst gleichzeitig – eine Zwischenzeit, die einen eigenen Namen verdient.
Ich denke, „Karl-Johann-Wochen“ könnten passen, aber auch „Apfelsommer“, „Preiselbeer satt“ oder „Frisches-Wasser-Wochen“. Ach wurscht, schaut selbst:
Weitere Infos: Der Nutzfeuerhaufen ist inzwischen doppelt so groß. Herr Henrikson wird weinen, denn die Tonne sollte wohl drei Tage durchbrennen, mit der Feuerung.
Die Äpfel beider Bäume innerhalb des Zauns sind lecker (als Apfelmus und roh) und das nämliche gilt für die beiden Bäume außenbords (an der Hollywoodschaukel und am Waldrand). Beim Spaziergang zum Pfifferlingsweg (Kantarellen = Mr. C) gibt es zwei drei sehr leckere Apfelbäume zum Selbstpfücken. Frühäpfel, die man zwar nicht lagern kann, die aber wunderbar schmecken.
Meine Bogenbau-Manufaktur hat das Geschäftsmodell geändert. Sie produzierte nurmehr Hobelspäne und Anmachholz. Die vielen Äste im Wacholder haben für Bruch gesorgt, schade, aber jetzt weiß ich es. Ich habe schon zwei Schwarzerlen ausgeguckt, die ich mir von Herrn Gustavsson gelegt wünsche. Dann ab auf den Boden und nächstes Jahr im Herbst beginnt der nächste Versuch. Dauert halt alles etwas länger.
Achso, und Mausebesuch hatte ich. Und eine ist in die mit Nutella bestückte Falle gewackelt. Auch hier gehe ich davon aus, dass es ein lediges junges Mäuselein war, das Aussicht auf Ruhm und Ehre lockte und das das eigene Ableben also mindestens akzeptierend hinnahm, wissen die Kollegen zuhause dann doch: „Da gehst Du nicht hin, da kommen sie nicht wieder zurück …“.
Morgen gibt es Nachrichten von Jutta und Sabine (Ankomst 19:15, Ankarsrum – Väg 40) und vielleicht ein paar Fotos der Luftpiraten, die sich am inzwischen wieder üppiger und vielfältiger dargebotenen Vogelfutter laben. Im Vorgriff: die Kleiber hier kennen KEINE Tischsitten.
Und damit:
„Schönen guten Abend allerseits …“