… verrückt!
Wir wissen ja alle, dass das im Digitalen problemlos geht: Terminüberweisungen, Erinnerungen an zukünftige Termine, zeitversetzte Tweets, Mails zu definierten Zeitpunkten verschicken und – ja – ich habe das erst gestern rausgekriegt – man kann selbstverständlich auch Blogbeiträge zeitversetzt publizieren.
Und das mach ich hier mal.
Komisch fühlt sich nur an, wenn man in den letzten Tagen zeitnah berichtet hat, was passierte (Präteritum – vollendete Gegenwart hieß das, glaube ich, früher) und jetzt im Vorgriff nicht erzählt, was passieren könnte oder würde (das wäre dann die Möglichkeitsform) sondern eigentlich so tun möchte, als ob das, was man morgens aufschreibt, zum abendlichen Zeitpunkt der Publikation passiert sein soll. (Was dann ja eigentlich eine Art vollendetes Konditional sein müsste.)
Lineare Zeit ist komisch und ihren Lauf vom gestern ins morgen auf diesem Weg schriftlich auseinander fallen zu lassen ist, ich sag ja, irgendwie verrückt (oder eher die eigene Position in dieser Zeit „verrückend“). Und komischerweise ist das in Rück- und Ausblick gar kein Problem. Vergangenheit umdefinieren sind wir alle nur zu gewöhnt und das die Zukunft nur ein weißes Blatt sein kann, ist trivial.
Aber jetzt etwas schreiben, was sich so anhören soll, als sei es nachher wirklich passiert, ist schon eine besondere Aufgabe.
Aber Wurst. Ich lass das und bleibe, was das Schreiben angeht, im Jetzt. Und in dem zu etwas vollkommen anderen …
5° machen den Unterschied
Heute morgen ist der Himmel bedeckt, wenig Wind und draußen sind es 5° Celsius. Und es ist, als wenn alles nur auf diese wenigen Grad mehr gewartet hat. Überall singen Vögel (und zwar nicht nur das piepsige „Hier bin ich, wo bist Du?“ der Meisen oder das Trillern eines bauwilligen Spechts) sondern ein ausführliches Platz und Revier reklamieren oben auf der jeweiligen Singwarte durch Grasmücke, Drossel, Meise, Robin und Buchfink).
Die Weidenkätzchen öffnen sich, Wild- und Honigbienen tauchen auf, ein wintersteifer großer Landkartenfalter orgelte schon gestern über die braune Wiese und steuerte zielsicher die kleinen Frühlingsblüher an.
Gestern abend hörten wir die hupenden Kraniche, nicht in der Luft sondern am Boden. Ob die noch weiterziehen oder das die hiesigen Sommergäste hier sind, weiß man nicht, aber flora- und faunatechnisch geht es jedenfalls voran.
Während ich schreibe – ja aktuell in der Jetztzeit – hoppelt hinter uns ein braunes Eichhorn zwischen Kirschbaum und Fichte hin und her, sammelt Flechten und Fasern und ist augenscheinlich mit Bauarbeiten beschäftigt Innenausbau, denke ich). Und jetzt sind es zwei!
Es fühlt sich anscheinend sehr frühlingshaft an.
Wir gehen gleich einen Spaziergang machen. Mal sehen, was uns da alles unterkommt.
Einmal um den Pudding
Wir waren am Longsjön. Hinter Norrhult sind wir in einen Wiesen- und Waldweg bis zu einem kleinen Sommerhaus gelaufen. Sehr viele Wildschweinspuren. Dazu gleich noch was. Wir mussten einen kleinen Zufluss zum See überqueren. Aber keine Panik …
Neben der alten gab es auch eine autotaugliche neue Brücke.
Denn wie so oft, am Ende des Weges ein Sommerhaus. Mit Naturhafen und Seeanschluss. Recht hübsch. Wir lassen es mal beim entfernten Foto. Privatsphäre und so.
Nach einem kleinen Stück durch den Wald (Kiefer, mager) dann den weg entlang zu Mats Fischerhütte. Da liegen seine Boote und Axel war mit ihm da auch schon mal Krebse fangen.
Heute war übrigens Mats‘ Tag. wir haben uns tatsächlich zweimal gesehen.
Vom Seeufer ein kurzer Blick rüber zur Hütte. Da haben wir erstmal ein Päuschen eingelegt.
Die Ecke ist ganz hübsch, finden anscheinend auch die Gänse. Wir haben aber nicht nur Losung gefunden, zwei trötende Exemplare haben uns verbellt, Kraniche, Sterntaucher, reiher und allerlei andere Fliegeviecher gab es auch. Nur keine Adler – der Luderplatz war leer, keine Jagdabfälle für Opportunisten mit Federkleid.
Pause! Mit Powernap. Hier noch simuliert, wg. selfie.
ich wollte gerne ein wenig Vegetation erwischen. Es ist aber noch sehr wenig. Buschwindröschen im Wald. In blau.
Und weiß.
Und in blau …
Wildkräuter zum Sammeln gibt es noch nicht. MAl sehen, was demnächst zu finden ist.
Um 14:30 waren wir wieder an der Karlsborg und nach Snabb-Kafe und Fimmjölk haben wir einfach rumgegammelt.
Die Sonne scheint und im Windschatten ist Kurzhosenwetter.
Echtes Wochenende.
Nachtrag: Beim zweiten Treffen mit Mats wurden wir vor einem großen Wildschwein gewarnt. Spuren (umgepflügte Wiesen) haben wir viele gesehen, die Sau aber nicht. Vielleicht ist das ja auch ein pädagogisches Schwein, von wegen: da geht besser nicht hin. Wir sind uns nicht sicher. Und gehen einfach trotzdem dahin, wo wir wollen.
Schönen guten Abend, allerseits.